Eine Rede halten – gewußt wie!

Sie werden bei einer Versammlung plötzlich aufgefordert, eine Rede zu halten – wie reagieren Sie?

Wahrscheinlich bekommen Sie einen gehörigen Schreck, wie die meisten Menschen. Aber eine Rede zu halten besagt ja keineswegs, sich vor einem Massenpublikum produzieren zu müssen. Aber der Vorstand eines Unternehmens, der Aufseher in einer Fabrik oder der Abteilungsleiter irgendeines Büros – sie alle können wesentlich wirkungsvoller argumentieren, wenn sie ihren Redestil verbessern. Die Gelegenheiten dazu sind nahezu unbegrenzt.

Das gilt selbstverständlich auch für Sie! Jeder kann lernen, worauf es ankommt. Die Ausarbeitung und der eigentliche Vortrag sind gleich wichtig. Beachten Sie die folgenden vier Grundregeln, wenn Sie Ihre Ansprache vorbereiten:

1.         Wählen Sie das richtige Thema. Wenn Sie sich gut darin auskennen und selbst davon überzeugt sind, dann stellt sich auch die Sicherheit ein, sich öffentlich dazu zu äußern. Wählen Sie ein Thema, das Ihre Zuhörer direkt angeht, und berücksichtigen Sie, wen Sie vor sich haben. Nehmen wir einmal an, Sie wollen in Ihrem Büro Verbesserungsvorschläge machen. Gegenüber der Geschäftsleitung werden Sie den Aspekt der Profitsteigerung hervorheben; vor den Kollegen werden Sie von der Arbeitserleichterung sprechen. Denn jeder möchte ja wissen, was ihm die Vorschläge bringen.

2.         Sorgen Sie für einen logischen Aufbau. In der Einleitung beschreiben Sie kurz das Problem, dem Sie sich widmen wollen. Im Hauptteil Ihrer Ausführungen zählen Sie die wichtigsten Aspekte Ihrer Lösungsvorschläge auf. Den Schluss bildet eine Zusammenfassung dessen, was Sie gerade vorgetragen haben. Hilfreich sind Gedächtnisstützen, Schlagworte oder Eselsbrücken, die Sie mit wichtigen Aussagen verbinden. Das einmal in der Schule gelernte „Drei, drei, drei, bei Issos Keilerei“ – Alexanders Sieg über den Perserkönig Darius 333 v. Chr. – beispielsweise geht nie mehr aus dem Kopf. Schlagworte helfen also dem Zuhörer, Ihrer Argumentation zu folgen und sie nicht so schnell zu vergessen. Schließlich helfen sie auch Ihnen, den Faden nicht zu verlieren.

3.         Üben Sie allein. Sind Sie sich einmal über Ihre Ansprache im Klaren, müssen Sie den Text beherrschen lernen. Am besten macht man das ganz allein, denn weder Ihre Frau noch ein guter Freund können die Zuhörerschaft ersetzen, vor der Sie Ihre Rede halten werden. Versuchen Sie deshalb, sich Ihr Publikum vorzustellen, „hören“ und „sehen“ Sie seine positiven Reaktionen. Wenn irgend möglich, proben Sie den Vortrag ein letztes- mal in dem Raum, in dem Sie sprechen sollen. So werden Sie mit dem Ort des Geschehens vertraut.

4.         So wenig Notizen wie möglich. Sie sollten Ihre Rede nicht vom Manuskript ablesen; es ist nämlich nahezu unmöglich, einen abgelesenen Text lebendig zu gestalten. Wenn nötig, schreiben Sie vor der Präsentation Ihre Hauptpunkte auf Karteikarten – jeweils nur einige wenige Worte. Ein kurzer Blick darauf wird genügen, dem nächsten Gedanken auf die Sprünge zu helfen. Je weniger Sie Ihre Notizen zu Hilfe nehmen, desto enger wird Ihr Kontakt zu den Zuhörern sein. Für eine gute Kommunikation zwischen Redner und Zuhörer sind viele Notizen oft eher hinderlich. Auch die sorgfältigste Vorbereitung garantiert noch keinen gute Präsentation. Drei Regeln sollten Sie beachten: Freunden Sie sich mit Ihren Zuhörern an. Schönrednerei ist altmodisch und überflüssig – geben Sie sich natürlich, dann sind Sie meist auf dem rechten Weg. Verwenden Sie kurze Sätze, einfache Redewendungen. Auch Beispiele und Anekdoten können Ihnen helfen, eine Brücke zum Zuhörer zu bauen. Wenden Sie sich Ihrem Publikum zu, und behalten Sie Augenkontakt. Suchen Sie sich dabei freundliche Gesichter aus, und sehen Sie über unfreundliche einfach hinweg.

Der professionelle Redner kann auf die Mittel des Humors nicht verzichten, der Laie aber sollte sie nur gebrauchen, wenn er sie beherrscht und sinnvoll einsetzen kann. Mit der Bemerkung „Zunächst einmal will ich einen Witz erzählen“ leitet man keine Rede ein; so etwas ist nicht nur unpassend, sondern kann Ihnen auch Ihre ganze Wirkung nehmen.

Entschuldigen Sie sich nicht. Ignorieren Sie vermeintliche Schwächen, und machen Sie kein Aufhebens von einer Erkältung. Um selbstsicher zu erscheinen, muss man auch selbstsicher auftreten. Sollten Sie etwas vergessen haben, dann behalten Sie es für sich. Ihren Zuhörern wird es nur auffallen, wenn Sie darauf zurückkommen. Eine Gedächtnislücke überbrücken Sie, indem Sie entweder wiederholen, was Sie zuletzt gesagt haben, oder indem Sie zum nächsten Punkt übergehen. Sie haben das Publikum auf Ihrer Seite – warum sollten Sie es enttäuschen?

Und lassen Sie sich auch durch Lampenfieber nicht „aus der Fassung bringen. Eine gewisse Spannung kann sogar vorteilhaft sein. Zielen Sie auf einen Höhepunkt. Behalten Sie die Absicht Ihres Vortrags stets fest im Auge. Dadurch nötigen Sie sich und die Zuhörer, auf die Hauptsache konzentriert zu sein. Ermuntern Sie Ihr Publikum, aktiv zu werden, und kommen Sie rechtzeitig zum Schluss – ehe die Aufnahmefähigkeit erschöpft ist.

Auch für die Kunst der Rede gilt das alte Sprichwort: „Übung macht den Meister.“ Nutzen Sie also jede sich bietende Gelegenheit.

Redegewandtheit ist eine der Fähigkeiten, die sich mit Gewinn einsetzen lässt und Erfolg mit sich bringt!

Kommentare deaktiviert für Eine Rede halten – gewußt wie!

Eingeordnet unter Uncategorized